Berichte über Pakistan

Nawaz Sharif unter Druck

„Im Sommer keinen Strom und im Winter kein Gas.“ Dieser etwas überspitzte Satz ist in Pakistan zwar immer noch in aller Munde, doch zeigt der Druck von Imran Khan mittlerweile Wirkung. Ministerpräsident Sharif hat allein in den letzten zwei Monaten mit seinem Veto die üblichen Gaspreiserhöhungen blockiert. Dass er dabei auch die angekündigte Großdemonstration von Imran Khan am 30. November in Islamabad im Hinterkopf hatte, ist mehr als wahrscheinlich. Obwohl Imran Khan, der Franz Beckenbauer Pakistans, in den letzten Monaten nichts anderes als polarisiert hat und seine „Alles oder Nichts“ Besetzung des Regierungsviertels in Islamabad zu einem nervigen Randereignis verpufft ist, wird er bei den einfachen Menschen Pakistans immer populärer. Viele Intellektuelle, die noch im letzten Jahr große Hoffnungen auf einen demokratischen Wandel in Pakistan auf Khan gesetzt hatten, haben sich dagegen von ihm abgewendet. Khans Führungsstil seiner Partei P.T.I erinnert sie immer mehr an die politischen „Diktatoren“ Nawaz Sharif und Zardari: Innerparteiliche Diskussionen sind nicht erwünscht und wer dem Parteiführer nicht widerspruchslos folgt, fliegt aus der Partei.

Warum Imran Khan trotzdem bei der Masse der Menschen Pakistans immer beliebter wird und sein Satz „Nawaz go“ zu einem Dauerbrenner in Pakistan geworden ist, werde ich in einem Artikel aus Peschawar Ende Dezember genauer beleuchten.

Mit einem Dichter auf dem Passu Gletscher

Gletschergedicht

Von Andreas Wiebel

  1. November 2014; Passu Glacier

Der Gletscher

Ist

Ein eisiges, lebendiges Ereignis

Und konservenblaue Formen zeugen, dass letzten Endes alles Wasser ist.

Im Sommer dröhnend, im Winter glucksend, manchmal –

Meistens Stille.

Voll Spalten tief und kräftig, vor allem tief – jagt er mir

Eiskalte Schauer auch über`n Rücken,

wenn der Tritt schwächer als gewohnt ausfällt.

Also droht Rutschgefahr ständig, sogar tödlich, wenn

Sonnenschein den Schatten weicht

Und weiche Wege sich in spiegelglatte Bahnen wandeln

Und Menschenbeine werden schwach.

Der Weg nach draußen auf die sichere Seite

Zeigt schwerlich nur geübten Augen sich,

Den anderen hält das Labyrinth aus Kälte

Dafür den stillen, harten, weißen Tod bereit.

Der Gletscher schleicht, schraubt sich und schwindet

Kontinuierlich hinab ins Tal, wo er bricht ab heute,

weil die Zustände nicht mehr wie gestern sind.

Und wieder geht die Bombe hoch

Lahore, 3. November 2014

Einzig ein Krankenwagen rast unter Sirenengeheul die menschenleere Mall-Road in Lahore entlang, die sonst an einem Sonntag-Abend von tausenden Spaziergänger belebt ist. Zwei Stunden vorher, gegen 17.50 Uhr ist es wieder einmal passiert. 25 Kilometer östlich von Lahore strömten gerade lokale Touristen von der allabendlichen Grenzzeromonie an der Waggah Grenze zu Indien, durch die 600 Meter lange Sicherheitsschleuse nach draußen, da ging die Bombe hoch. 55 Tote, darunter viele Frauen und Kinder und mehr als 120 zum Teil Schwerverletzte waren die Folge.

Kurz nach dem heimtückischen Anschlag, bei dem ein junger Mann eine am Körper getragenen Bombe gezündet haben soll, bekannte sich die Jamaat-ul-Ahrar, eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban zu dem Anschlag. Als Grund nannten sie Vergeltung für den Einmarsch der pakistanischen Armee in Waziristan.
Auch wenn dieser Anschlag mit Verspätung kam, hatten ihn fast jeder in Pakistan erwartet, denn die pakistanischen Taliban sind zwar geschwächt, aber natürlich nicht alle mit dem Boot in den Irak gefahren um sich der IS anzuschließen.