Mit einem Dichter auf dem Passu Gletscher

Gletschergedicht

Von Andreas Wiebel

  1. November 2014; Passu Glacier

Der Gletscher

Ist

Ein eisiges, lebendiges Ereignis

Und konservenblaue Formen zeugen, dass letzten Endes alles Wasser ist.

Im Sommer dröhnend, im Winter glucksend, manchmal –

Meistens Stille.

Voll Spalten tief und kräftig, vor allem tief – jagt er mir

Eiskalte Schauer auch über`n Rücken,

wenn der Tritt schwächer als gewohnt ausfällt.

Also droht Rutschgefahr ständig, sogar tödlich, wenn

Sonnenschein den Schatten weicht

Und weiche Wege sich in spiegelglatte Bahnen wandeln

Und Menschenbeine werden schwach.

Der Weg nach draußen auf die sichere Seite

Zeigt schwerlich nur geübten Augen sich,

Den anderen hält das Labyrinth aus Kälte

Dafür den stillen, harten, weißen Tod bereit.

Der Gletscher schleicht, schraubt sich und schwindet

Kontinuierlich hinab ins Tal, wo er bricht ab heute,

weil die Zustände nicht mehr wie gestern sind.