Peschawar Massaker: Auch die Hoffnung weggemordet

Noch am Montag waren hunderttausende Menschen den Ruf Imran Khans nach Lahore gefolgt. Friedlich demonstrierten sie für ein neues Pakistan. Selbst im kalten Norden in Gilgit fuhren vorwiegend Jugendliche jubelnd durch die Straßen, dabei schwenkten sie Fahnen von Khans PTI. Einen Tag später ist die Hoffnung auf einen Wandel in Pakistan erst einmal weggemordet. Fünf schwer bewaffnete Extremisten stürmten eine öffentliche Schule der pakistanischen Armee in Peschawar. Ein paar Stunden später waren 141 Schüler und neun Lehrer Tod. Spezialteams der Armee erschossen alle Angreifer. Kurz darauf übernahmen die pakistanischen Taliban die Verantwortung für den Anschlag. Er sei die Antwort für den Einmarsch der pakistanischen Armee in Waziristan, ließ ein Sprecher der Extremisten verlauten. Wieder einmal haben die selbsternannten Gotteskrieger unschuldige Zivilisten getötet und diejenigen gestärkt, die sie angeblich bekämpfen wollten. Ministerpräsident Scharif kann sich kurzfristig vom Druck der Demonstrationen erholen und anstatt endlich darauf zu setzen Schulen und Straßen in den abgelegenen Grenzregionen zu Afghanistan zu bauen, um die Wurzeln des Übels in Pakistan langfristig zu vernichten, werden weiterhin kurzfristig gedachte Aktionen der pakistanischen Armee den Weg bestimmen.
Denn solange Eltern ihre Kinder nicht auf kostenlose Regierungschulen schicken können, übernehmen gerade in den abgelegenen Gegenden Pakistans, die Madrassen diese Aufgabe. Doch aus diesen kostenfreien Religionsschulen, die auch aus Saudi Arabien finanziert werden, rekrutieren die pakistanischen Taliban ihren Nachwuchs; stammten doch schon die afghanischen Taliban vorwiegend aus den Madrassen Paistans. Das der lange vorher angekündigte Einmarsch der Armee nach Waziristan den pakistanischen Taliban großen Schaden zugefügt hat, bezweifeln die Experten mit Einblick in diese Region. Dass die eh schon karge Infrastruktur Wazisristan durch die Kämpfe jedoch noch weiter in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist dagegen ein Fakt. Das Pakistan als Reaktion auf den grausamen Anschlag in Peschawar die Todesstrafe wieder einführen will, zeigt die ganze Hilfslosigkeit der Regierung: Selbstmordattentäter mit der Todesstrafe abschrecken.
Auch wenn Ministerpräsident Nawaz Scharif Anstrengungen macht die Wirtschaft zu stärken. Die Senkung der Benzinpreise und das Stabilisieren der Gaspreise sind nichts anderes als Schmerztabletten für den kranken Patienten Pakistans. Scharif macht auch in dieser Amtsperiode keine Andeutungen die Wurzeln des Übels anzupacken. Ob Imran Khan dazu fähig ist, die Mehrheit der Experten bezweifelt es, scheint immer mehr Pakistanern egal. Ihnen scheint es zu genügen, das sie Imran Khan zumindest glauben, dass er es ernsthaft versuchen will. Das Peschawar Massaker hat Khans Versuch jedoch erst einmal wieder etwas weiter in Ferne gerückt.